
Die Nacht zum Tag machen, gemeinsam am Lagerfeuer singen, unter freiem Himmel einschlafen und zusammen mit Freunden eine Abenteuerwoche verbringen, in denen die Alltagsregeln auf dem Kopf stehen: Seit mehr als 30 Jahren wird dieser Traum von Freiheit im Loccumer Kinderzeltlager ausgelebt.
Bert Schwarz, der das Projekt Ende der siebziger Jahre ins Leben gerufen hat, erinnert sich an die Anfänge: "Mich hat gestört, dass das Ferienangebot für die Kinder in der Gemeinde nicht immer ausreichend und sachgerecht war." Pragmatisch stand bereits in den Anfangsjahren für ihn fest: "Jedes Kind hat das Recht, sich zu verletzen. Mir tun zwar alle leid, die sich beispielsweise eine Hand brechen, doch noch mehr bedaure ich diejenigen, die überhaupt keine Gelegenheit dazu haben." Mehr als 30 Jahre Loccum bedeuten mehr als 2500 zufriedene Kinder, unzählige Lagerlieder, Großer Rat am Lagerfeuer, viele ehrenamtliche Mitarbeiter, eine stets gelobte Verpflegung, Singen unter Sternenhimmel, Nachtwanderungen mit Gruselfaktor, schmutzige Füße, der Geruch von Feuer und Rauch in allen Kleidern und fast grenzenlose Freiheit für die Kinder. "Das Faszinierende an Loccum ist, dass es Jahr für Jahr kaum Streit oder Zank und keine tätlichen Auseinandersetzungen gibt, stattdessen ist die Atmosphäre friedlich, vertrauensvoll, fast paradiesisch", sagt Hella, die von Anfang an dabei war. Unterstrichen wird die besondere Stimmung durch die Abgeschiedenheit von der Großstadt und die Verbundenheit mit der Natur. Auf dem Rücken der Lagerpferde können die Kinder über die angrenzende Weide galoppieren. Die Hühner sorgen jedes Jahr für Aufregung: "Die legen sogar Eier", staunt der vierjährige Jendrik. Zu seinen besten Freunden zählt aber auch der weiße Schäferhund Arktis, der den Zeltplatz wie seine zahlreichen Vorgänger Tag und Nacht bewacht - wer nicht nach Feuer und Dreck riecht, wird angebellt. In den achtziger Jahren hatte Cesar diese Aufgabe übernommen. Der braune Rüde gehörte einem Loccumer Hofbesitzer. Jeden Sommer aber, wenn die Kinder das Grundstück der Kirchengemeinde bevölkerten, war er nicht mehr auf seinem Hof zu halten und machte sich auf und davon, um die Bewachung der Ferienkinder zu übernehmen.
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